Herzlich Willkommen zum 3. und letzten Teil der Artikelserie über Co-Abhängigkeit. Im ersten Teil dieser Artikelserie hast du gelernt, wie Co-Abhängigkeit entsteht und wie du deinen eigenen Weg finden kannst, um wieder ein freier Mensch zu werden. Im zweiten Teil, in dem Becca ihre eigene Geschichte mit uns teilte, hast du erfahren, dass Eifersucht in einer Beziehung auch eine Form der Co-Abhängigkeit sein kann und welche Rolle dabei die Kindheit spielt.

Co-Abhängigkeit ist eine Verhaltensauffälligkeit die sich in der Kindheit über Jahre hinweg entwickelt. Da ein Kind meist noch keinen Bezug zu seinen Gefühlen hat und diese noch nicht einordnen kann, machen sich die Auswirkungen der Co-Abhängigkeit erst im Erwachsenenalter bemerkbar. In der folgenden Geschichte wirst du Laura (Name geändert) kennenlernen. Sie bezeichnet sich selbst als co-abhängig. Wie sie es geschafft hat aus der Co-Abhängigkeit heraus zu kommen erfährst du hier.

Laura ist 25 Jahre alt und frisch verheiratet mit ihrem Traummann. Die Hochzeit war märchenhaft. Rote Rosen, glückliche Menschen und so viel Liebe schmückten den Raum am Abend der Hochzeitsfeier. Der Hochzeitstanz spiegelte ihre Liebe zueinander wider. Hand in Hand, Seite an Seite, sanftmütig und vertraut. Die Blicke wichen nicht voneinander ab. Doch schon wenige Monate nach der Traumhochzeit wurde das junge Glück auf die Probe gestellt.

Wenn innere Wunden zu Narben werden

Laura wuchs in einem kleinen Dorf auf. Ihre Eltern trennten sich, da war sie 5 Jahre alt. In der Schule hatte Laura wenig Anschluss. Die meisten Kinder mieden sie denn in dem kleinen Ort wusste jeder von den Umständen, die in ihrer Familie herrschten. Ihre Mutter führte ein sehr freizügiges Leben und hatte oft wechselnde Bekanntschaften. Laura fühlte sich von ihrer Mutter nicht wirklich geliebt. Sie musste um die Aufmerksamkeit ihrer Mutter kämpfen. Dies führte dazu, dass Laura frühzeitig anfing ihren eigenen Weg zu gehen und den Kontakt zur Mutter komplett abbrach. Großgezogen wurde Laura von ihrem Vater und dessen neuer Ehefrau. Diese baute eine Bindung zu Laura auf, die einem gesunden Mutter-Tochter-Verhältnis sehr nahe kam. Doch die Liebe und Zuwendung einer Mutter kann nichts und niemand vollständig ersetzen. Laura ist dankbar dafür, dennoch schmerzt die Narbe, die durch ihre leibliche Mutter entstanden ist, bis zum heutigen Tag.

Nachdem Laura ihre Ausbildung beendet hat, startete sie voller Tatendrang ins Berufsleben und lernte die Welt kennen. Aus dem einst so schüchternen und zurückgezogenen Mädchen entwickelte sich eine starke Persönlichkeit mit einer unsichtbaren Mauer um sich herum die sie vor seelischen Verletzungen schützen sollte.  Sie wirkt auf fremde Menschen reserviert und unnahbar. Laura beobachtet neue Menschen erst bevor sie zeigt, wer sie ist. Sobald das Vertrauen aufgebaut ist, zeigt sie ihr warmherziges und humorvolles Wesen. Abgesehen von ihrer Kindheit, scheint Laura ein sehr glückliches Leben zu führen. Sie und ihr Ehemann führen ein gemeinsames Unternehmen worauf die beiden sehr stolz sind. Ihr Mann tut alles für sie und scheint der vertrauenswürdigste Mensch zu sein, den es gibt. Aber wenn es eine Geschichte wie im Märchen wäre, würde der Abschlusssatz jetzt folgender sein: „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute“. Doch die Realität sieht anders aus: aus dem einst so perfekten Ehemann entwickelte sich ein kaltherziger Mensch, dessen Ehefrau ihm völlig egal zu sein schien.

Der Moment der schmerzhaften Wahrheit

Da Laura dies so nicht hinnehmen wollte, gab sie ihrem Drang die Wahrheit herauszufinden nach und ging den Tatsachen auf den Grund. Plötzlich fehlten regelmäßig größere Summen Geld auf dem Konto. Beim Leeren der Hosentaschen fand sie zusammengerollte Geldscheine und die Aussagen ihres Mannes erschienen immer unglaubwürdiger. Er wurde launisch, ungerecht und beleidigend gegenüber Laura. Viele Monate vergingen, bis Laura endlich die Wahrheit herausfand. Ihr Ehemann ist drogenabhängig. Selbst am Tag ihrer Hochzeit hielt er dem Suchtdruck nicht stand und konsumierte. Laura riss es den Boden unter den Füßen weg als er ihr alles gestand. Auch wenn sie es insgeheim schon lange wusste, so verschloss sie doch ihre Augen vor der Realität.

Unzählige Gespräche und Drohungen ihn zu verlassen halfen nichts. Er konsumierte immer weiter und nutzte jede Gelegenheit um an Drogen heranzukommen. Ein kurzer Einkauf oder ein vermeintliches Treffen mit einem „Freund“ reichten dafür schon aus. Dies führte schließlich dazu, dass Laura ihn nicht mehr aus den Augen ließ und sie ein schreckliches Gefühl der Angst plagte, wenn er allein unterwegs war. Aus der Angst heraus entwickelte sich mit der Zeit ein regelrechter Kontrollzwang. Jedes weitere Mal, wenn sie wieder eine seiner Lügen aufgedeckt hat, wurde ihr bestätigt, dass sie ihm nicht vertrauen kann. Das führte schließlich dazu, dass sie alles kontrolliert hat, was er tat, was er sagte und wohin er ohne sie ging.

Die Gabe einem Menschen seine Liebe zu geben ist etwas Besonderes. Denn wer liebt, kann auch verletzt werden. Und genau diese Angst lässt einen Co-abhängigen Menschen nicht mehr los. Sie ist ständig präsent und hindert den Co-Abhängigen daran, ein freies und selbstbestimmtes Leben zu führen. Das eigene Glück ist also immer abhängig von einem anderen Menschen. Die Wahrheit, die der Co-abhängige Partner genau kennt, wird so sehr in den Hintergrund gedrängt, dass er beginnt sich selbst zu belügen. Denn der Schmerz, den die Wahrheit mit sich bringt, tut mehr weh als der Glaube, dass die Lage sich zum Guten wendet.

Alles begann damit, dass Laura versuchte, den Lügen ihres Mannes Glauben zu schenken. Er beschrieb sich selbst als nicht abhängig und könne jederzeit damit aufhören. Der wohl bekannteste Satz eines Menschen der mitten in der Abhängigkeit steckt. Laura verschloss anfangs bewusst die Augen vor der Wahrheit. Sie wollte es nicht wahrhaben, dass es ausgerechnet ihren Mann trifft, es war so ungreifbar für sie. Als es jedoch nicht aufhörte und Laura immer wieder Hinweise auf den Drogenkonsum ihres Mannas fand, begriff sie, dass ein reales Problem vorlag was die beiden allein nicht mehr lösen konnten.

Die Wesensveränderung ihres Mannes war für sie nicht mehr tragbar, er beleidigte sie und im nächsten Moment beteuerte er, wie sehr er sie lieben würde. Er hatte sich emotional nicht mehr unter Kontrolle und verletzte Laura damit so sehr, dass Laura all ihren Mut zusammen nahm, ihre Tasche packte und die Wohnung für einige Tage verließ. Diese Tage bedeuteten für sie und ihren Mann die Hölle. Ihm wurde bewusst, dass die Ehe zu zerbrechen droht, konnte jedoch mit der emotionalen Situation nicht umgehen und konsumierte weiter. Laura ertrug in dieser Zeit seine herablassenden und verletzenden Nachrichten die im Minutentakt ihr Handy erreichten. 

Emotionale Eskalationen gehören zum Alltag eines Co-Abhängigen

Nach einer qualvollen Woche für beide, entschied sich Laura zu ihm zurückzukehren. Sie steckte voller Hoffnungen, dass er sich in Therapie begibt. Allein würde er es nicht mehr schaffen, das steht fest. Sie verzeihte ihm und versuchte ihm das Vertrauen entgegenzubringen, dass er sein Wort hält und eine Therapie beginnt. Ihr Bauchgefühl jedoch, welches in den vergangenen Monaten immer anderer Meinung war als Laura`s Kopf, schlug auch hier wieder Alarm.

All die Beleidigungen, herablassenden Äußerungen und emotionalen Misshandlungen hat sie ihm verziehen. Sie spürt die emotionale Abhängigkeit zu ihm und sie weiß, dass sie es vermutlich nicht schaffen wird ihn von einer Therapie zu überzeugen. Dennoch ist sie an einem Punkt angekommen, an dem sie nicht mehr kann. Die Gedanken kreisen in Dauerschleife um ihren Mann. Deshalb hat sie einen Entschluss gefasst.

Jeder große Schritt beginnt mit einer kleinen Veränderung

Das Gefühl von Kontrollverlust und Angst um ihren Mann nimmt ihr die Kraft zum Atmen und sie verliert den Glauben in sich selbst. Aus dieser Not hat sie für sich selbst einige Strategien entwickelt um mit der Sucht ihres Mannes umgehen zu können. Der erste Schritt in ein selbstbestimmtes Leben war getan. Sie meldete sich wieder in ihrem Sportverein an. Sie nahm sich vor ihre Energie nicht mehr in die Sucht ihres Mannes zu investieren und freute sich darauf, wieder regelmäßig turnen gehen zu können.

Die Verantwortung für ihr eigenes Glück möchte Laura wieder selbst in die Hände nehmen. Ihrem Ehemann wird sie immer zur Seite stehen, jedoch wird sie sich nicht mehr für ihn rechtfertigen und gibt die Verantwortung über sein Leben an ihn zurück. Dies möchte sie erreichen, indem sie bewusst Zeit mit sich selbst verbringt und sie wieder lernt, den Moment zu spüren. Ihr Selbstwertgefühl möchte sie stärken, indem sie mehr Zeit mit anderen Menschen verbringt und sie dadurch weniger ins Grübeln gerät.

Du alleine bist für dein Lebensglück verantwortlich

Wenn du auch wieder mehr Verantwortung für dein Leben übernehmen willst, sei ganz ehrlich zu dir und stelle dir folgende Fragen:

  • Was ist gerade meine größte Herausforderung/mein größtes Problem?
  • Was hat mich bisher davon abgehalten, dieses Problem lösen zu können?
  • Was macht das mit mir? Wie wirkt sich das auf meinen Alltag/meine Gesundheit/mein Umfeld aus?
  • Was hat mich das in der Vergangenheit gekostet und was wird mich das in der Zukunft kosten?
  • Wie sieht mein Leben in 2-5 Jahren aus, wenn ich nichts an meiner Situation ändere?
  • Was möchte ich stattdessen vom Leben und für mich? Wie würde ich mich fühlen, wenn es mir besser geht? Was wäre dann in mir und im Außen anders? Was wäre dann alles für mich möglich?

Es ist nie zu spät, dein Leben in die Hand zu nehmen und für dein Glück loszugehen. Niemals.

Hast du dich in Lauras Geschichte widerspiegeln können? Kennst du das Gefühl, dass dein Leben völlig aus dem Ruder läuft und du nicht weißt, wie du ohne deinen Partner leben kannst? Wenn du diese Fragen mit einem „JA“ beantworten kannst, dann öffnet sich ab sofort eine neue Tür für dich. DU allein bist es, der sich zum glücklich sein braucht. Nimm dir die Zeit und hör in dich hinein, was sagt dein Bauchgefühl? Binde dieses Gefühl bewusst in deine Entscheidungen mit ein.

Übernimm die Verantwortung für dich und dein Handeln, nicht für jemand anderen. Lerne dich selbst neu kennen. Nimm deine Stärken wahr, sei stolz auf dich, denn du bist ein toller Mensch mit einer wundervollen und liebenswerten Seele und nur du weißt was dir guttut. Ruf dir jeden Morgen eine Sache ins Gedächtnis, worauf du dich an diesem Tag freust. Ein gemeinsames Frühstück, ein Spaziergang oder ein Besuch von Freunden. Mit der Zeit wird es dir immer leichter fallen die Dinge positiv zu sehen. In der nächsten Krise wird genau das dir helfen, eine richtige Entscheidung zu treffen.

Dritter Teil der Artikelserie mit Liebe für dich geschrieben von Susi.

Hier findest du übrigens Teil 1 und Teil 2 der Artikelserie. Darüber hinaus könnten diese Artikel könnten interessant für dich sein:


Wenn du das Gefühl hast, co-abhängig zu sein sei dir Gewiss, dass du nicht alleine damit bist. Die Breaking Free Community ist eine stetig wachsende Gemeinschaft von Menschen wie du und ich. Wir sind alle auf der Reise in ein glückliches Leben in Freiheit und Leichtigkeit. Du bist herzlich eingeladen Teil der Community zu werden und dir dort die Unterstützung zu holen, die du gerade für dich brauchst: Hier geht es zur Gruppe – wir freuen uns auf dich!

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